Blasorchester

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Das Carillon muss alleine draußen bleiben

Veröffentlichung: NNP (17.09.2026)

Das Carillon muss alleine draußen bleiben

Regen zwingt das Bad Camberger Geburtstagskonzert umzuplanen. Trotz Enttäuschung über das verpasste Glockenspiel beeindruckt ein abwechslungsreiches Musikprogramm im Kurhaus.

Bad Camberg . Leider machte das Wetter der schönen Planung des Bad Camberger Stadtmarketings einen Strich durch die Rechnung: Nach wochenlangem Sonnenschein begann es ausgerechnet an diesem Sonntagnachmittag zu regnen, und hörte auch bis zum Ende nicht mehr auf. Die Veranstaltung innerhalb des „Tag des offenen Denkmals“ war eigentlich als „Open-Air-Geburtstags-Konzert“ im Innenbereich des Amthofs angekündigt. Doch aufgrund des einsetzenden Regens musste sie spontan ins Kurhaus verlegt werden, und dort konnte das gemeinsame Musizieren des Bläserensembles der TG Camberg mit dem live gespielten Glockenspiel nicht stattfinden.

Viele der zahlreich erschienenen Gäste waren ein wenig enttäuscht. Denn das beliebte Carillon an einer der Innenwände des Amthofs als „Jubilar“ sollte der Hauptdarsteller sein. Trotzdem wurde das Publikum im vollbesetzten Saal des Kurhauses vom Orchester mit einem wunderbar kurzweiligen Konzert erfreut. Zuvor begrüßte Bürgermeister Daniel Rühl (CDU) die Anwesenden, darunter auch Ehrengäste wie Rose Dyckerhoff mit Familie, die anfänglich die Schirmherrschaft für das Bad Camberger Projekt übernommen hatte. 

Niederländische Glockengießerei

Im Wechsel mit fröhlichen und bekannten Musikstücken trug Bernd Schlösser vom Verein Historisches Camberg interessante Fakten und Anekdoten zur Entstehung des Glockenspiels vor. Eine Interessengruppe des Vereins hatte die Anschaffung des Carillons initiiert sowie seinen Bau in einer niederländischen Glockengießerei betreut. Und Martin Evers, verantwortlich für die Technik und Elektronik hinter den Melodien, stieg -sehr passend – mit einem Zitat aus Friedrich Schillers „Glocke“ ein. Den Glockenguss und die Funktionsweise der Glocken erklärte er anschaulich anhand eines mitgebrachten einzelnen Exemplars. In den Ansprachen wurde an die Menschen erinnert, die sich über Jahrzehnte für den Erhalt der historischen Turmuhr und die Entstehung des Glockenspiels eingesetzt haben. Auf unterhaltsame Weise verbanden sich so Stadtgeschichte, ehrenamtliches Engagement und Musik.

Das Konzertprogramm mit zahlreichen historischen Bezügen hatte der Orchesterleiter Mathias Müller-Lenz mit dem 15-köpfigen Bläserensemble eigens für diesen Tag einstudiert. Er hätte auch „draußen“ die Glocken im Zusammenspiel mit dem Bläserklang live erklingen lassen sollen. Und auch wenn man ein Carillon nicht „doubeln“ kann, wie Bernd Schlösser bemerkte, wurden kurzerhand die fehlenden Glockenstimmen von einem kleinen Glockenspiel übernommen. So erklang zur Eröffnung das als Eurovisions-Intro bekannte „Te Deum“, gefolgt von einem Medley verschiedener Geburtstagsmelodien.

„Morgenstimmung“ von Edvard Grieg

Besonders stimmungsvoll gelang Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der Peer Gynt-Suite. Eine weitere musikalische Farbe brachte die aus Bad Camberg stammende Sopranistin Anna Katharina Eufinger ein: Gemeinsam mit dem feinen Glockenspiel und Mathias Müller-Lenz am Flügel begeisterte sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme in den beliebten Stücken „Amazing Grace“ und „You Raise Me Up“. Anna Katharina war an diesem Tag omnipräsent: als Sängerin, als Saxofonspielerin im Blasorchester sowie als Mit-Organisatorin des Jubiläums.

Im Anschluss an das Konzert konnten Interessierte noch den Steuercomputer in einer kleinen Kammer unterhalb des Carillons besichtigen. Dort durfte man dann auch selbst einmal – unter Aufsicht von Martin Evers – auf den Tasten des Keyboards die Glocken erklingen lassen.

Das Bläserensemble der TG Camberg, am Flügel Orchesterleiter Mathias Müller-Lenz. Es singt Anna Katharina Eufinger.

Erstellt am 17.09.2026 von NNP