News

  • Musikabteilung

Kurkonzert mit 70 Musikern aus ganz Hessen

Veröffentlichung: NNP (03.03.2026)

 


Beim Schlussapplaus für das besondere Kurkonzert werden auch die hinteren Reihen sichtbar. Foto: Petra Schramm

Beim Landeslehrgang in Bad Camberg wird Tradition mit modernem Klang verbunden und ein spezielles Erlebnis geboten  

BAD CAMBERG. Mit einem Konzert der Superlative beginnt der März im großen Saal des Kurhauses von Bad Camberg. Wer hat je schon so viele Stühle auf der Bühne gesehen? Wer so viele Musiker, die sich den Platz mit ihren Notenständern und den Instrumenten teilen? Zum alljährlichen Landeslehrgang des Hessischen Turnerverbandes (HTV) hatte diesmal die Turngemeinde Camberg eingeladen. 70 Musiker sind aus ganz Hessen gekommen, um mit drei Dozenten neue Stücke einzuüben. Interessiert beobachten die Zuhörer, wie da sorgfältig Trompeten, Klarinetten, Querflöten, Saxofone, Waldhörner und viele weitere Instrumente gestimmt werden. „Da werden einem ja die Ohren wegfliegen", sagt eine Stimme im Saal.  

Nein, schon mit dem flotten Marsch „Arsenal" (Jan Van der Roost) beweist dieses Ensemble, dass es fein ausgewogen und mit fließenden Melodiebögen zwischen den markigen Fanfaren den Ohren schmeicheln kann. Der Moderator und Dirigent Mathias Müller-Lenz hat schon mit seinen ersten Sätzen die Lacher auf seiner Seite. Er erklärt, dass auf der Bühne alle Musiker gleichzeitig Turner sind: „Musiker werden eben die, die fürs Reck nicht geeignet sind." Das aus allen Ecken Hessens zusammengewürfelte Orchester spielt alles. Es ist eine Werkstatt, deshalb tragen die Musiker nicht Frack. Ja, und laut wird es, meint er, aber dann zeigt er dem besorgten Publikum mit großer Geste die Fluchtwege.  

Bis tief in die Nacht geprobt  

Hatte der Spezialist für Polka und Marsch, wie Müller-Lenz seinen Kollegen Kilian Kumpf augenzwinkernd nennt, „Arsenal" dirigiert, so tritt Nico Leikam aus Mainz jetzt für „King's Fire" (Stephan Kostner) ans Pult. Um den Kampf um die englische Krone soll es gehen, fügt der Moderator hinzu. Tatsächlich regt die Programm-Musik die Fantasie an. Aus waberndem Nebel hört man Glöckchen, jede Instrumentengruppe hebt sich einzeln aus dem rhythmischen Untergrund und entwickelt eigene Bilder, mal fein ziseliert wie Spitze, mal romantisch. Da stören plötzlich Dissonanzen empfindlich die Harmonie. Kampf und Frieden im Wechsel. Das Publikum bedankt sich für die reife Leistung. Großartig gespielt. Und das, so ein Running Gag des Moderators, obwohl bis zwei Uhr nachts „geprobt" wurde und eigentlich alle müde sind.

Jahrhunderte musikalischer Erfahrung sitzen auf der Bühne, meint Müller-Lenz, die Vernetzung bei den Lehrgängen ist wichtig, vor allem aber der Spaß. Und das spürt man, ob bei der fröhlichen und sehr gefälligen Polka „Soczewica" (kleine Linse) oder dem majestätisch beginnenden „Unica musicae". Ergreifend ist „Baba Yetu" (Vater unser auf Suaheli), die Musik zu dem Computerspiel Civilisation IV, die mit dem Grammy geehrt wurde. Crescendi steigern sich bis zu einem monumentalen Gesamtklang, selbst in ruhigen Passagen bleibt die Spannung erhalten. Die Zuhörer halten die Luft an, dann brandet der Beifall auf.

Der Moderator spricht von den Registerproben in den „Katakomben" und vom Versuch, alle auf die Bühne zu bekommen. Es ist der Augenblick des Danks an den TG, der alles organisiert hat, an den Gastgeber Kurhaus, die Mit-Organisatorin vom HTV, Jessi Brahms, an die Dirigenten, an die Zuschauer fürs Kommen. Mit dem schwer zu spielenden Medley aus den 80ern, deren einzelne Titel das Publikum mit ansingen soll, sind endgültig alle „losgelöst von der Erde". Der Schlussapplaus will gar nicht enden. „Musik, Musik" fungiert als Zugabe und Rausschmeißer.

Von Petra Schramm

Erstellt am 07.03.2026 von Redaktion